Accesskeys

Aktionärsbrief

Die Arbonia erwirtschaftete im Jahr 2021 wiederum ordentliche Resultate. Diese kamen trotz der erheblichen Herausforderungen an den Rohmaterialmärkten und der daraus resultierenden, so noch nie dagewesenen Materialpreissteigerungen sowie fehlenden Verfügbarkeiten von Materialien und Komponenten aufgrund von Lieferengpässen zustande.

Für die beachtlichen Zahlen der Arbonia ist neben dem guten strukturellen, konjunkturellen und regulatorischen Umfeld («EU Green Deal») insbesondere auch der gut laufende deutsche Markt für Bauzulieferprodukte verantwortlich. Die seit Jahren strategisch getätigten, erheblichen Investitionen in die Automatisierung ihrer Produktionsstandorte, in die Erhöhung ihrer Wertschöpfungstiefe sowie in die Weiterentwicklung ihres Produktportfolios erlauben der Arbonia aktuell und in Zukunft vom positiven Umfeld zu profitieren. Die Arbonia intensiviert ihr Engagement für Nachhaltigkeit, unter anderem um der von uns Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenzuwirken und deren Folgen zu mildern. Seit 2015 investierte die Arbonia bereits mehrere hundert Millionen Franken in eine moderne und damit effiziente Fertigung.

Das Geschäftsjahr 2021 verlief für die Arbonia sehr erfolgreich. Obwohl die markant gestiegenen Rohmaterialpreise sowie die massiv höheren Energie- und zum Teil auch Frachtkosten die Margen belasteten, wirkten sich die Investitionen der vergangenen Jahre in Effizienz- und Produktivitätssteigerungen positiv aus und konnten zusammen mit einer vorsichtigen Preispolitik die negativen Effekte mehr als kompensieren. Durch den gezielten Kapitaleinsatz an den zentralen Produktionsstandorten sowie die Fokussierung auf wenige, hochmoderne und effiziente Produktionsstandorte sowie ausgewählte Absatzmärkte mit den richtigen Produkten konnten das organische Umsatzwachstum sowie die Profitabilität markant gesteigert und somit auch weitere Marktanteile gewonnen werden. Darüber hinaus galt es in allen Märkten, die Herausforderungen in der eigenen Lieferkette zu meistern und sowohl die Verfügbarkeit als auch die Preise von Rohmaterialien sowie Vorprodukten zu sichern. Dabei ist es der Arbonia gelungen, die Verfügbarkeit von Rohmaterialien sicherzustellen und Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben. Nur vereinzelt kam es aufgrund von rekordhohem Auftragsbestand bei gleichzeitig angespannten Beschaffungsmärkten zu Lieferverzögerungen.

Nach dem Verkauf der Division Fenster und der Integration der ehemaligen Division Sanitär in die Division Türen besteht die Arbonia Gruppe nunmehr aus den beiden Divisionen Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK) und Türen, weshalb auch die Berichterstattung dementsprechend angepasst wurde.

Für das Geschäftsjahr 2021 resultierte ein währungs- und akquisitionsbereinigtes Umsatzwachstum von 11.6% bzw. in Schweizer Franken eine Steigerung um 14.2% von CHF 1038.4 Mio. auf CHF 1186.2 Mio. Ohne Sondereffekte steigerte die Arbonia ihr EBITDA um 17.4% von CHF 114.5 Mio. auf CHF 134.3 Mio. und konnte somit die EBITDA-Marge in einem anspruchsvollen Umfeld auf 11.3% steigern. Das EBIT ohne Sondereffekte steigerte die Arbonia um 28.6% von CHF 52.1 Mio. auf CHF 67.0 Mio. Die Arbonia konnte das Konzernergebnis aus fortzuführenden Geschäftsbereichen ohne Sondereffekte um 46.2% auf CHF 41.1 Mio. (Vorjahr: CHF 28.1 Mio.) erhöhen. Das ausgewiesene Konzernergebnis, welches die fortzuführenden und aufgegebenen Geschäftsbereiche beinhaltet, belief sich insbesondere dank des Erlöses aus dem Verkauf der Division Fenster auf CHF 138.7 Mio. (Vorjahr: CHF 44.9 Mio.).

Der Free Cashflow betrug im Berichtsjahr CHF 252.7 Mio. (Vorjahr: CHF 52.5 Mio.). Diese positive Entwicklung resultierte aus dem Mittelzufluss des Verkaufs der Division Fenster und trotz Liquiditätsabflüssen von rund CHF 130 Mio. durch Akquisitionen, das beschleunigte Investitionsprogramm, Bilanzoptimierungen (Aufgabe Factoring und Kauf Produktionsstandort Garant) sowie durch die Zunahme des Netto-Umlaufvermögens.

Per 31. Dezember 2021 hat sich die Bilanzsumme der Arbonia im Vergleich zum Vorjahr um rund CHF 108 Mio. auf CHF 1623.3 Mio. (Vorjahr: CHF 1515.2 Mio.) erhöht. Die Zunahme kam aus dem Geldzufluss durch den Verkauf der Division Fenster, der Zunahme der Warenvorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie der Zunahme im Anlagevermögen (Investitionen und Akquisitionen) zu Stande.

Die Nettoverschuldung von CHF −140.6 Mio. zum Ende des Geschäftsjahres 2020 entwickelte sich aufgrund des Geldzuflusses und dem Rückgang der Schulden aus dem Verkauf der Division Fenster trotz erheblichen Investitionen ins Anlagevermögen, Akquisitionen sowie weiterer kostenoptimierender Massnahmen zu einer Nettoliquiditätsposition von CHF 93.2 Mio.

Das Eigenkapital erhöhte sich um rund CHF 150 Mio. auf neu CHF 1044 Mio., was ein Anstieg der Eigenkapitalquote von 59.0% auf 64.3% per Ende 2021 bedeutete. Die Zunahme ist zum grössten Teil auf das Konzernergebnis von CHF 138.7 Mio. zurückzuführen, das sich aus dem Veräusserungsgewinn der Division Fenster und dem Reingewinn der fortzuführenden Geschäftsbereiche zusammensetzt.

Die starke Bilanz erlaubt auch im vierten Jahr in Folge seit Aufnahme der Dividendenzahlungen für das Geschäftsjahr 2021 eine um 20% höhere Dividende von CHF 0.30 pro Namenaktie (CHF 0.25 für das Geschäftsjahr 2020) an die Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten. Deshalb wird der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 22. April 2022 beantragen, für das Geschäftsjahr 2021 eine Bardividende von CHF 0.30 pro Namenaktie zur einen Hälfte aus dem Bilanzgewinn und zur anderen Hälfte, für Schweizer Aktionäre steuerneutral, aus den Kapitaleinlagereserven auszuschütten.

Marktumfeld 2021

Im Jahr 2021 haben sich, wie im Vorjahr, der Wohnungsbau und der weitere Hochbau fast überall in Europa unterschiedlich entwickelt. Dabei gelten die gleichen Trends, die bereits im Jahr 2020 aufgrund der Pandemie sichtbar wurden. Positiv hervorzuheben sind die gestiegenen Sparvermögen privater Haushalte, die zur Aufwertung des durch Home Office wichtiger gewordenen eigenen Wohnraums genutzt wurden. Dies hat bereits zu einer deutlichen Steigerung von Renovationsprojekten geführt. Auch die weiterhin rekordniedrigen Zinsen tragen ihren Teil zu dem attraktiven Umfeld für die Bauwirtschaft bei. Die temporären Schliessungen von Kultur-, Sport-, Einkaufs- und anderen Versammlungsstätten hingegen haben sich negativ ausgewirkt – insbesondere bei Einzelhandelsimmobilien und solchen für den Tourismus.

Während die Pandemie den Alltag in dem für die Arbonia wichtigsten Markt Deutschland nach wie vor geprägt hat, waren ihre Auswirkungen auf die Bauwirtschaft erneut relativ gering. Im ersten Quartal 2021 hatten sich noch der verhältnismässig kalte Winter sowie Vorzieheffekte vor allem aufgrund der bis Ende 2020 gesenkten Mehrwertsteuer negativ ausgewirkt. Spätestens mit der Verkündung erster Lockerungen ab März 2021 stieg die Nachfrage insbesondere im Wohnungsbau stark an. Die Bauwirtschaft ist in Deutschland aber weiterhin an ihrer Kapazitätsgrenze aufgrund mangelnder Fachkräfte und aufwendiger Genehmigungsprozesse. Diese limitierenden Aspekte führten gemeinsam mit der Unsicherheit im Detailhandel und im Tourismus insgesamt zu einem leichten Rückgang im Hochbau, während der Wohnungsbau sich auf bereits sehr hohem Niveau noch leicht steigern konnte. Diese weiterhin starke Nachfrage nach Wohnraum, insbesondere hervorgerufen durch die staatliche Förderung der Energieeffizienz, welche die neue Bundesregierung weiter ausbauen möchte, sowie die knappen Kapazitäten sorgen mittel- bis langfristig für gut gefüllte Auftragsbücher.

Der zweite Heimatmarkt der Arbonia, die Schweiz, konnte sich im abgelaufenen Jahr gut entwickeln. Die in der Pandemie rasch gestiegene Sparquote hat gemeinsam mit veränderten Bedürfnissen zu einer schnellen Erholung im Wohnungsbau beigetragen. Dies führte dazu, dass der Leerstand zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder sank. Hinzu kommt, dass sich die Schweizer Industrie ebenfalls schnell von der Pandemie erholen konnte. Insbesondere die Export- und Pharma- industrie investieren weiter in neue Produktions- und Forschungseinrichtungen sowie Büroräume, sodass auch der übrige Hochbau sich weiter steigern konnte. Der Sonderzyklus im Wohnungsbau aufgrund des Wunsches, den eigenen Wohnraum zu optimieren, wird vermutlich noch im Jahr 2022 weiter wirken, bevor hier eine Normalisierung einsetzt. Wie in Deutschland auch, wird dann die Renovation von Wohnraum wieder in den Fokus rücken, welcher zusammen mit den Investitionen der Wirtschaft wie auch der öffentlichen Hand für Wachstum im Hochbau sorgen sollte.

Die osteuropäischen Märkte der Arbonia waren von einer markanten Erholung von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Die Wirtschaftsleistung in Polen hat beispielsweise bereits im zweiten Quartal 2021 wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht und wurde dabei von einer dynamischen Bauwirtschaft unterstützt. In den ersten drei Quartalen 2021 wurde mit dem Bau von fast einem Drittel mehr Wohnfläche begonnen als im Vorjahr, die Zahl der Baugenehmigungen stieg sogar um >30%. Dieser Boom im Wohnungsbau sollte sich mindestens noch in den kommenden zwei Jahren positiv auswirken. In Tschechien hat sich der Wohnungsbau ebenso robust erholt. Die Marktpotenziale der kommenden Jahre sind aber aufgrund der bereits heute schon sehr hohen Kapazitätsauslastung und langen Genehmigungsprozesse begrenzt.

In Italien haben die starken Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2020 zu einer massiven und rapiden Erholung der Wirtschaft im Jahr 2021 geführt. Hierzu trug auch der «Superbonus» bei, der Massnahmen zur energetischen Sanierung mit bis zu 110% subventioniert. In Folge dieser grosszügigen Förderung sind bis Ende September 2021 bereits EUR 7.5 Mrd. an Fördermitteln genehmigt worden, sodass die Renovation von Wohnbau gegenüber Vorjahr um mehr als 20% angestiegen ist. Aber auch die anderen Sektoren des Hochbaus haben sich aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Erholung im abgelaufenen Jahr deutlich gesteigert. 2022 ist im Gegenzug dazu bereits wieder mit einer deutlichen Normalisierung zu rechnen.

In Belgien konnte sich die Bauwirtschaft von ihrem starken Einbruch im Jahr 2020 weitestgehend erholen und hat daher sowohl im Wohnbau als auch im übrigen Hochbau ihre Bauleistung im Berichtsjahr signifikant gesteigert. Aufgrund von Verzögerungen in der Umsetzung von EU-Unterstützungsprogrammen zur Belebung der Wirtschaft ist aber noch kein Trend absehbar. In der Renovation ist für die nächsten ein bis zwei Jahre jedoch mit einem Sondereffekt zu rechnen: Die Flutschäden an Wohngebäuden aus dem Sommer 2021 allein entsprechen rund 10% der Wertschöpfung in diesem Segment. In den Niederlanden hat sich die Pandemie wenig auf die Bauwirtschaft ausgewirkt. Vielmehr gab es im Berichtsjahr einen Nachholeffekt für aufgrund von Umweltrestriktionen in 2020 ausgebremste Neubauprojekte. Diese absorbierten Kapazitäten, die zuvor in der Renovation eingesetzt worden waren, sind der Grund, weshalb dieses Segment im Berichtsjahr schrumpfte. Für die kommenden Jahre wird starkes Wachstum im Wohnungsneubau erwartet, um der starken Nachfrage nach Wohnraum Herr zu werden.

Strategie und Entwicklung der Arbonia Gruppe

Nach dem Verkauf der Division Fenster und der Integration der Division Sanitär in die Division Türen fokussierte sich die Arbonia im Berichtsjahr 2021 auf die zwei Divisionen Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK) und Türen, die eigenständig ihre strategische Entwicklung fortsetzen und wesentlich auf die Megatrends Energieeffizienz, Urbanisierung, Digitalisierung sowie Automatisierung ausgerichtet sind.

Division Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK)

Die Strategie der Division HLK ist auf die relevanten Megatrends «CO2-Reduktion» sowie «gesundes und nachhaltiges Raumklima» ausgerichtet. Das jüngst verabschiedete umfangreiche Klimaschutzpaket der EU-Kommission, entsprechend das der Mitgliedstaaten, mit dem sie die Klimaziele von 55% Treibhausgaseinsparungen bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050 erreichen will, bestätigt die eingeschlagene langfristige strategische Ausrichtung. Die Division verfolgt bereits seit mehreren Jahren und so auch im Berichtsjahr konsequent ihre Strategie des innovativen Anbieters von nachhaltigen Wärmesystemen und deren Komponenten: von der modernen Wärmeerzeugung und optimalen Wärmeübertragung bis hin zur Energiespeicherung für alle Gebäudearten und Anwendungsbereiche, sowohl für den Neubau- als auch den Renovationsmarkt.

Der Ausbau der starken Marktposition in den angestammten Produktgruppen bildet aber weiterhin die Basis des Geschäftsmodells. Im Berichtsjahr konnten zielgerichtete Investitionen und Akquisitionen getätigt werden, um die auf den folgenden vier Eckpfeilern basierende Strategie für Produkte und Produktion zu untermauern:

  • «Best in class»-Produktion bei Heizkörpern
  • Nutzung erneuerbarer Energien mit den Produkten Wärmepumpe und Batteriespeicher
  • Strahlungsheizung und -kühlung für moderne Gebäude
  • Belüftung und Raumluftqualität

Mit dem Bau des neuen Werkes in Opočno (CZ) stellt sich die Division im stark wachsenden Markt für Wärmepumpen, mit einer Kapazität von ca. 10’000 Stück pro Jahr, ideal auf. Passend dazu wurde im Berichtsjahr eine neue ressourcenschonende, hocheffiziente Generation der Luft/Wasser-Wärmepumpe für den unteren und mittleren Leistungsbereich lanciert. Als optimale Ergänzung für das Wärmepumpen-Sortiment erfolgte zudem die Markteinführung eines neuen Warmwasser- und Schichtenpufferspeichers, der durch seinen modularen Aufbau und den hohen Vormontagegrad viele Vorteile bietet. Darüber hinaus entwickelt die Division derzeit einen auf der nachhaltigen Redox-Flow- Technologie basierenden Batteriespeicher, der für den privaten sowie gewerblichen Wohnbau eine zukunftsorientierte Alternative zu herkömmlichen LithiumIonen-Batterien darstellt. Dieses Produkt wird vor allem durch den Sicherheitsaspekt der Nichtbrennbarkeit, die hohe Anzahl Ladezyklen ohne Kapazitätsverlust, die attraktive Wirtschaftlichkeit sowie die Nachhaltigkeit der Produktion und des Betriebs überzeugen.

Darüber hinaus wird die Strategie der «Best in class»-Produktion bei Heizkörpern weiter umgesetzt durch die Konsolidierung des Fertigungsvolumens von Flachheizkörpern mit der geplanten Schliessung des Werkes in Tubbergen (NL). Ständige Projekte zur Komplexitätsreduktion und Kostensenkung sind ebenfalls initiiert.

Mit der Akquisition der serbischen Termovent per 1. Juli 2021 konnte die Division HLK nicht nur ihre geografische Präsenz in Südosteuropa erweitern, sondern insbesondere ihre Kompetenz im Bereich Air-Handling Units erheblich vertiefen. Mit Reinraumtechnologie, dem zweiten Schwerpunkt der Termovent, rundet die Division ihr Produktportfolio im Segment der gewerblichen und industriellen Lüftungssysteme weiter ab. Ebenfalls im ersten Halbjahr 2021 stärkte die Division HLK ihre Vertriebsposition in Spanien und Portugal durch die Übernahme der spanischen Cicsa.

Division Türen

Mitte des Berichtsjahrs wurde die Division Sanitär mit ihren Duschtüren und
-trennwänden als Business UnitGlaslösungen in die Division Türen integriert. Die strategische Logik der Eingliederung liegt einerseits in der besseren Nutzung von Synergien in der gemeinsamen Marktbearbeitung im Objektvertrieb und andererseits in der Beschaffung. Zudem erweitert sich das Produktsortiment der Business Unit Holzlösungen mit Funktions- und Innentüren um Duschtüren und mittelfristig kann der Bereich Glastüren und Glastrennwände für den Innenraum ausgebaut werden.

Nach wie vor liegt der Fokus der Business Unit Holzlösungen auf dem strategischen, mehrjährigen Investitionsprogramm zur Steigerung der Produktivität und Kapazitätserweiterung mit dem Ziel der Verbesserung der Lieferperformance und der Marktposition.

Ein Grossteil der Investitionen floss in den Kapazitätsausbau der beiden deutschen Türenwerke Prüm und Garant. Die grössten Einzelpositionen waren der Kauf der Immobilie von Garant sowie das zweite Hochregallager, die Kraft-Wärme-Koppelungsanlage (KWK) und der Neubau des Zargenwerks bei Prüm. Weiter investierte die Arbonia bei der Gesellschaft RWD Schlatter in einen Spritzroboter und begann mit der Planung für ein Rohmaterial- und Fertigwarenlager an diesem Schweizer Standort.

Nach getätigten Investitionen kann die Business Unit Holzlösungen in den Jahren 2023 / 2024 über alle Standorte betrachtet rund 900’000 Türen mit entsprechenden Zargen mehr produzieren als bisher und somit die Kapazität auf 3.5 Mio. Türen und Zargen erhöhen.

Die Division investierte zudem in die IT und Digitalisierung von Prozessen. So ist sie dabei, SAP S4 / HANA bei der Business Unit Holzlösungen auszurollen. Mit der Harmonisierung des ERP-Systems lässt sich die zukünftige Zusammenarbeit der vier Türenunternehmen effizienter gestalten.

Die Akquisition der Glasverarbeitungs-Gesellschaft Deggendorf mbH (GVG) war ein weiterer wichtiger Meilenstein im Berichtsjahr. Damit erhöht die Business Unit Glaslösungen ihre vertikale Wertschöpfungstiefe durch den nun konzerninternen Bezug von bearbeitetem Einscheibensicherheitsglas (ESG). Die Herauslösung der GVG aus der Saint-Gobain Gruppe und die Integration in die Business Unit Glaslösungen der Division Türen läuft planmässig. Damit sind die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum und weitere Prozessverbesserungen geschaffen.

Intensivierung der Nachhaltigkeit
Highlights im Jahr 2021

Zur Erreichung des «1.5 °C»-Szenarios des Pariser Klimaabkommens ist für Unternehmen eine Abnahme der betrieblichen Emissionen (Scope 1 und Scope 2) von über 4% und eine Abnahme der indirekten Emissionen (Scope 3) von über 2.5% (bezogen auf das Referenzjahr) pro Jahr erforderlich. Dazu bekennt sich die Arbonia. Sie hat sich das Ziel gesetzt, die Intensität ihrer Scope 1-3-Emissionen auf Grundlage der Science Based Targets Initiative bis 2035 so zu verringern, dass sie trotz weiterem organischem Wachstum zum globalen Klimaziel beiträgt.

Die Arbonia hat in den beiden Divisionen HLK und Türen nicht nur die Vision einer Null-Emissionen-Politik, sondern definierte im Laufe des Berichtsjahres darüber hinaus weitere ambitionierte mittelfristige Ziele zum verantwortungsvollen Umgang mit und Einsatz von Ressourcen. Das Unternehmen hat im Jahr 2021 den Beitritt zum UN Global Compact in die Wege geleitet und bekennt sich damit zur Einhaltung und Förderung der zehn universellen Prinzipien. Seit dem Jahreswechsel ist die Arbonia Gruppe offiziell Mitglied des UN Global Compact.

Die Division HLK entwickelt ein Speichersystem für aus Solarenergie gewonnenen Strom. Die Division rundet dadurch das Produktportfolio mit dem Energiespeicher (Batterie) ab: Sie kann nun ein vollständiges, aufeinander abgestimmtes System von Produkten für das Wärme- und Energiemanagement des Wohnraums anbieten. Dieser in der Herstellung und im Betrieb umweltfreundliche und nachhaltige Stromspeicher wird darüber hinaus einen Beitrag zur Energiewende im Allgemeinen und zur Energieautarkie von Häusern im Speziellen leisten.

Zu einer deutlichen Reduktion des Energieverbrauchs im Berichtsjahr führten neben den Implementierungen von Photovoltaikanlagen an einigen Standorten auch die Erneuerung der Schweissstrassenkühlung sowie die Wärmerückgewinnung bei der Schweissrauchabsaugung in der Flachheizkörperfertigung am Gross-Standort Plattling (D).

Die Division Türen reduziert CO2 durch zwei neue KWK-Anlagen an ihren beiden Produktionsstandorten in Deutschland. Mit den geplanten und sich in Umsetzung befindenden KWK-Anlagen streben die Türengesellschaften Prüm und Garant folgende Ziele an:

  • 1. Eigenerzeugung und -nutzung von CO2-neutralem Strom
  • 2. Eigenerzeugung und -nutzung von CO2-neutraler Wärme
  • 3. 100% Nutzung und schadstofffreie Entsorgung der holzartigen Produktionsreststoffe direkt am Produktionsstandort und somit Wegfall von teilweise externer Entsorgung

Die bereits in Umsetzung befindliche neue Anlage bei Prüm wird ca. 60% des gesamten Strombedarfs des Türenwerks abdecken und zusätzlich eine Fläche von rund 24’000 m² beheizen.

Ausblick

In den Kernmärkten der Arbonia in Europa dürfte der Bausektor aufgrund der anhaltenden Wohnungsknappheit weiter wachsen. Er profitiert weiterhin von einer starken Bauwirtschaft, die vor allem in Deutschland einen Nachholbedarf der letzten Jahrzehnte aufweist. Investitionen in Wohnungen haben an Attraktivität gewonnen, zum einen durch vielfältige Förderprogramme zur Gebäudemodernisierung, zum anderen durch die Konzentration der Menschen auf die eigenen vier Wände während der Pandemie. Der für die Arbonia wichtige Markt Deutschland wird weiter stimuliert durch das Ende 2021 vorgestellte, grosse Wohnungsbauprogramm der Koalition. Laut diesem sollen jährlich – trotz Fachkräftemangel – mindestens 400’000 neue Wohnungen fertiggestellt werden (aktuell rund 300'000 jährlich).

Allerdings wird die fehlende Materialverfügbarkeit und die daraus resultierte Knappheit auch im Jahr 2022 noch teilweise spürbar sein. Die dadurch entstandenen enormen Materialpreissteigerungen, insbesondere bei Stahl, Aluminium und Holz, sowie die markant höheren Energie- und Frachtkosten könnten auch weiterhin zu ausserordentlichen Preiserhöhungen führen, sodass Bauvorhaben durch die zu hohen Baukosten aufgeschoben werden könnten. Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu und zeigt sich in einer massiven Knappheit bei Installateurkapazitäten, die durch die attraktive Förderkulisse bei Heizungen und regenerativen Energien noch stärker nachgefragt werden. Entsprechend gehen viele Beobachter des Arbeitsmarktes inzwischen davon aus, dass in Zukunft noch stärker als bisher nicht mehr über Arbeitslosigkeit, sondern über Arbeiterlosigkeit gesprochen wird. Die Hauptursache dieser Entwicklung ist sicherlich das Ausscheiden der geburtenstarken 1950er-Jahrgänge aus dem erwerbsfähigen Alter. Nebst dieser tieferen Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung wird die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte abnehmen.

Dennoch haben die bekannten, langfristigen Wirtschafts- und Wachstumstreiber für die Bau(material)wirtschaft im Jahr 2022 weiter Bestand: die immer noch tiefen Zinsen sowie die hohe Zahl von sanierungsbedürftigen Wohnungen und nicht zuletzt die staatlichen Förderprogramme für energieeffizientes Wohnen und zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum. Letzteres wird auch von der neuen deutschen Regierung stark vorangetrieben. Deutschland will das Tempo zur Minderung klimaschädlicher Emissionen nahezu verdreifachen. Gelingen soll dies mit einem intensiveren Ausbau von Wind- und Solarenergie; das Solardach soll beim Neubau als Pflicht gelten. Zusätzlich könnte bei fossilen Heizungen eine Heizkostenexplosion dazu führen, dass Alternativen rascher geprüft und umgesetzt werden. Dies wird die Nachfrage nach den entsprechenden Arbonia Produkten, mit einem Umsatzanteil von ~70% im Wohnungsbau, nochmals weiter vorantreiben.

Guidance

Die Arbonia blickt trotz der dargelegten Herausforderungen, allerdings mit den beschriebenen positiven Marktimpulsen in Kombination mit den operativen Aktivitäten in den beiden Divisionen für die nächsten Jahre, sehr zuversichtlich in die Zukunft. Die spezifische Guidance für das Gesamtjahr 2022 ist der Medienmitteilung anlässlich der Publikation der Jahresergebnisse 2021 vom 1. März 2022 zu entnehmen.

Alexander von Witzleben
Verwaltungsratspräsident und CEO

Daniel Wüest
CFO